TDA-Modell

Das TDA-Modell

Teilhabeorientiertes Divergenz- und Ableismusmodell

Das TDA-Modell (Teilhabeorientiertes Divergenz- und Ableismusmodell) ist ein interaktionales Modell, das beschreibt, wie menschliche Divergenz in einer nicht passenden Umwelt zu Behinderungserfahrungen und Ableismus führen kann – und wie dadurch Teilhabe eingeschränkt wird.

Das Modell verbindet Perspektiven aus Ergotherapie, Disability Studies, dem Neurodiversitätsparadigma und sozialwissenschaftlicher Ableismusforschung.

Im Zentrum steht die Annahme, dass Menschen nicht deshalb behindert werden, weil sie von gesellschaftlichen Normen abweichen. Behinderung entsteht vielmehr dort, wo individuelle Bedürfnisse und Eigenschaften auf Barrieren, fehlende Passung und diskriminierende Strukturen treffen.

Divergenz als Teil menschlicher Vielfalt

Menschliche Vielfalt entsteht dadurch, dass Menschen unterschiedlich sind.

Ein Teil dieser Vielfalt zeigt sich als Divergenz – also als Abweichung von gesellschaftlichen Normen oder Erwartungen.

Divergenz kann sich beispielsweise auf Wahrnehmung, Kommunikation, Lernen, Geschlechtsidentität, Sexualität, Kultur, Körper, Gesundheit oder andere Merkmale beziehen.

Divergenz ist individuell, kontextabhängig und kein Defizit.

Sie ist ein natürlicher Bestandteil von Diversität.

Von Divergenz zu Behinderungserfahrungen

Das TDA-Modell beschreibt einen Prozess:

  1. Gesellschaftliche Normen und Strukturen definieren Erwartungen.
  2. Zwischen Person und Umwelt entsteht fehlende Passung.
  3. Barrieren verhindern oder erschweren Teilhabe.
  4. Daraus können Behinderungserfahrungen entstehen.
  5. Ableismus stabilisiert diese Barrieren und verstärkt den Kreislauf.

Behinderung wird dabei nicht als Eigenschaft einer Person verstanden, sondern als Ergebnis eines Zusammenspiels von Person, Umwelt und Betätigung.

Ableismus

Ableismus bezeichnet Einstellungen, Handlungen und gesellschaftliche Strukturen, die bestimmte Menschen abwerten, ausschließen oder benachteiligen.

Ableismus kann sich zeigen als:

  • Vorurteile und Stereotype
  • Ausgrenzung und Diskriminierung
  • Unsichtbarmachung
  • unfaire Behandlung
  • strukturelle Barrieren
  • fehlende Zugänge und Teilhabemöglichkeiten

Die Folgen können unter anderem Erschöpfung, Überlastung, Rückzug, Überanpassung sowie ein erhöhtes Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen sein.

Veränderung ist möglich

Das TDA-Modell versteht Teilhabe als Menschenrecht.

Anstatt Menschen an bestehende Barrieren anzupassen, richtet sich der Fokus auf:

  • Umweltanpassung
  • Abbau von Barrieren
  • Zugang und Teilhabe
  • Ressourcenorientierung
  • soziale Gerechtigkeit
  • diskriminierungssensible Praxis

Veränderung entsteht durch gemeinsames Handeln von Individuen, Gemeinschaften, Institutionen und Gesellschaft.

Kernaussage

Menschen sind nicht das Problem.

Menschengemachte Barrieren und ausschließende Strukturen sind es.

Das Ziel des TDA-Modells ist die Förderung voller, wirksamer und gleichberechtigter Teilhabe für alle Menschen.

Modellautor: Maik Elliott Schwarz
Ergotherapeut
© 2026 Maik Elliott Schwarz